Instagram, TikTok und Co. – in den sozialen Medien ist fast jeder vertreten. Es existiert eine inzwischen unüberschaubare Anzahl von Profilen, die Fitness- und Ernährungstipps verbreiten, eine schnelle, einfache und nachhaltige Veränderung des eigenen Körpers aufzeigen wollen und oftmals auch versprechen. Kaum verwunderlich ist daher, dass die Prävalenz von Essstörungen anzusteigen scheint (Galmiche et al., 2019). Doch besteht wirklich ein Zusammenhang zwischen (Fit-)Influencertum, Essverhalten und Körperwahrnehmung?
Während im ersten Teil unserer Reihe zu Essstörungen die Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und Binge-Eating-Störung näher beleuchtet, Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Risikofaktoren herausgearbeitet sowie das Aufkommen im Sport diskutiert wurden (Spiegel & Roth, 2022), schlägt vorliegender Teil nun eine etwas andere Richtung ein: Im zweiten Teil der Reihe wird der Fokus auf Störungen gelegt, die bisher noch keinen Einzug in das Klassifikationssystem (ICD-11) gefunden haben, im sportlichen Kontext aber von größter Relevanz sind. So werden zunächst die Orthorexia nervosa und Bigorexia nervosa thematisiert und in den sportlichen Kontext eingeordnet. Ferner wird der potenzielle Zusammenhang von sozialen Medien und gestörtem Essverhalten sowie der Wahrnehmung des eigenen Körperbilds beleuchtet und diskutiert. Ziel dieses Artikels besteht gleichermaßen darin, für Essstörungen – sowohl im Allgemeinen als auch im sportlichen Kontext – zu sensibilisieren, Aufklärung und Prävention zu betreiben sowie Anstöße zur Reflexion des eigenen Handelns zu liefern.
Störungsbilder wie die Orthorexia nervosa oder Bigorexia nervosa werden in der ICD-11 unter keinem spezifischen Diagnoseschlüssel, wie es beispielsweise bei der Anorexia nervosa der Fall ist, geführt. Sie gelten somit nicht als eigenständiges Störungsbild (Depa, 2015a). Demnach können sowohl für die Orthorexia nervosa als auch für die Bigorexia nervosa keine allgemeingültigen Kriterien genannt werden, anhand derer eine Diagnose nach ICD-11 gestellt werden kann. Während die Bigorexia nervosa als körperdysmorphe Störung bezeichnet wird (Arslan et al., 2022), die in der ICD-11 den Zwangsstörungen zugeordnet ist (WHO, 2022), herrscht bei der Orthorexia nervosa noch Uneinigkeit darüber, ob sie den Ess- oder Zwangsstörungen zuzuordnen ist (Depa, 2015a), da das Störungsbild Ähnlichkeiten mit beiden Störungskategorien aufweist. Sowohl die Orthorexia nervosa als auch die Bigorexia nervosa weisen jedoch spezifische Charakteristika auf, welche eine ernstzunehmende praktische Relevanz haben und nun näher beleuchtet werden sollen.
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